Hilfsnavigation
Quickmenu
language

Volltextsuche
Seiteninhalt

Egenstedt

Egenstedt liegt rund sieben Kilometer südlich von Hildesheim auf einer Anhöhe über dem westlichen Innersteufer. Es ist das wohl älteste Dorf in der Gemeinde Diekholzen und kommt bereits in einer Urkunde Bischof Bernwards von Hildesheim als „Eganstedi“ vor. Diese Schenkungsurkunde zugunsten der von Bernward auf dem Hildesheimer Michaelishügel erbauten Kreuzkapelle ist undatiert, dürfte aber in das Jahr 996 zu setzen sein. Unter anderem enthielt die Stiftung Liegenschaften und Rechte in Egenstedt. Dabei wird es sich um einen Haupthof mit 16 Hufen Landes (ca. 100 ha) gehandelt haben, wie sich aus einem Privileg Kaiser Heinrichs II. (1002-1024) ergibt.

Neben dem Kloster Marienrode hatte die Propstei von S. Mauritius (Moritzberg) in Egenstedt größeren Grundbesitz, der dann 1594 zusammen mit der Schäferei und dem Zehnten vom Bischof dem Hildesheimer Jesuitenkolleg überschrieben wurde. Ein dazu gehörendes großes Wohnhaus, der sogenannte „Jesuiterhof“, bis 1777 im Besitz des Ordens, wurde 1840 zum Pfarrhaus umgewidmet, als die katholische Gemeinde die kirchliche Selbstständigkeit erhielt. 1841/42 errichtete man daraufhin eine Pfarrkirche im romanisierenden Stil anstelle der mittelalterlichen Nikolauskapelle. Zu dieser Zeit hatte das Dorf ungefähr 170 Einwohner, die nahezu alle katholisch waren und bis ins 20. Jahrhundert hinein ganz überwiegend von der Landwirtschaft lebten. Der einzige nennenswerte Gewerbebetrieb war die Engelkesche Ziegelei (1912-1962) zwischen Egenstedt und Groß Düngen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es durch die zahlreichen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten auch in Egenstedt zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahl, die sich von 214 (1939) auf 448 (1950) etwa verdoppelte. Daher musste eine Scheune zur zweiklassigen Volksschule umgebaut werden. Seit 1972 allerdings hat der Ort keine Schule mehr. Auch die kommunale Eigenständigkeit konnte die kleine Gemeinde nicht bewahren. 1967 schloss sie sich zunächst der Samtgemeinde Groß Düngen an, 1974 dann der Einheitsgemeinde Diekholzen, deren kleinster Ortsteil sie mit heute 682 Einwohnern ist.

Seit 1928 gehört der Röderhof unterhalb des Tosmarberges zum Egenstedter Gemeindegebiet, erstmals 1382 als Gutshof „to deme Rode“ schriftlich belegt. Das Gut mit seinen umfangreichen Ländereien ist im Besitz der katholischen Kirche. 1969 ließ Bischof Heinrich Maria Janssen auf dem Gelände eine heilpädagogische Einrichtung für geistig und körperlich schwerbehinderte Kinder bauen, die 1971 bezugsfertig war. Die von der Caritas getragene Heimstatt Röderhof hat eine eigene Sonderschule und betreut inzwischen auch viele erwachsene Heimbewohner.

Erwähnenswert erscheint zudem der ebenfalls dem Tosmar vorgelagerte Sonnenberg, eine ehemalige Hinrichtungsstätte. Hier wurde noch 1833 ein Raubmörder öffentlich enthauptet. Seit 1950 befindet sich auf der Höhe ein wegen des weiten Blickes auf das Innerstetal beliebtes Ausflugslokal.

Literatur:

Cord Alphei / Jutta Finke, Egenstedt 996-1996, Hildesheim 1995.

zurück nach oben drucken